Fotografie (allgemein)

Sternenkind – wenn das erste auch das letzte Bild ist

Ein Gastbeitrag von Oliver Hölters @olsensblickwinkel

Vorwort

… von Stephan Rosenberger

Oliver Hölters habe ich Anfang 2020 bei einem Portrait-Workshop der Fotofreunde Münsterland e.V. kennengelernt. Üblicherweise beginnt so ein Workshop mit einer kurzen Vorstellungsrunde des Referenten und aller Teilnehmer/innen, bei dem jede/r auch etwas zu ihrem/seinen ganz persönlichen Bezug zur Fotografie erzählt. Und so kam die Sprache bei Oliver auf sein Engagement als Sternenkind-Fotograf.

Sternenkind-Fotografen fotografieren verstorbene Kinder, insbesondere wenn sie vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind. Von Sternenkindern-Fotografen hatte ich zwar zuvor schon gehört, war aber nie in Berührung mit Ihnen gekommen. Oliver fotografiert ehrenamtlich Sternenkinder und schenkt den Angehörigen mit seinen Fotos so eine bleibende Erinnerung. Als Vater von drei Kindern haben mich Olivers Ausführungen damals sehr berührt.

Einige Zeit nach dem Workshop hatten wir uns bei Instagram darüber ausgetauscht, dass ich seine Tätigkeit als Sternenkind-Fotograf gerne mit einem Blogeintrag unterstützen würde, um so auf die Sternenkind-Fotografen weiter aufmerksam zu machen. Vor einigen Tagen erhielt ich dann Olivers Beitragstext zusammen mit ein paar Fotos von Sternenkindern.

Ich habe lange überlegt, ob ich neben dem Text auch Fotos von Sternenkindern zeige – ob es überhaupt Fotos braucht, um die Arbeit von Sternenkind-Fotografen zu verstehen und sich vorstellen zu können, wie das Geschenk aussieht, welches die Fotografen damit den Angehörigen geben. Ich habe mich dafür entschieden, habe aber die Fotos auf eine separate Seite gestellt, damit Du selbst entscheiden kannst, ob Du sie sehen möchtest. Den Link findest Du unten.

Zusammen mit Oliver hoffe ich, dass mehr Eltern von der Möglichkeit erfahren, das erste und das letzte Foto ihrer Sternenkinder von einem Sternenkind-Fotografen von DeinSternkind.org machen zu lassen. Teil diesen Beitrag daher gerne.

Danke, Oliver, für Deinen Beitrag, die Fotos und vor allem für Dein Vertrauen.

Stephan Rosenberger


Oliver Hölters – Sternenkind-Fotograf

Oliver Hölters – über das erste und das letzte Bild

Seit drei Jahren bin ich ehrenamtlicher Sternenkind-Fotograf bei DeinSternenkind.org. Dabei wusste ich am Anfang gar nicht, was Sternenkinder überhaupt sind. Sternenkinder sind Kinder, die vor, während, oder kurz nach der Geburt versterben. Auf der Messe „Leben und Tod“ hatten die Leiterinnen der Malteser Sternenkind-Eltern-Gruppe in Vechta und umzu von der Stiftung DeinSternenkind.org erfahren und dass diese bundesweit ehrenamtlich „Sternchen“ fotografiert. Bei uns in der Gegend war die „Sternenkind-Fotografie“ noch nicht sonderlich bekannt und es gibt auch kaum ehrenamtliche Fotografen in der Nähe. Dass die Bilder für die Eltern aber eine wertvolle Erinnerung sein können, wird in der Sternenkind-Eltern-Gruppe immer wieder betont. So sind sie auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könne.

Ich habe mich dann erst einmal auf der Homepage von DeinSternenkind.org umgeschaut und informiert, danach haben wir uns erneut zusammengesetzt und darüber gesprochen, wie ich mich einbringen könnte. Dabei war ich aber auch von Anfang an ehrlich: Wenn ich feststellen sollte, dass mir das nicht liegt oder mir die Situationen zu Nahe gehen, dann behalte ich mir vor, jeder Zeit wieder aufzuhören. Aber ich habe mich beworben und bin als Fotograf angenommen worden. Auf meinen ersten „Einsatz“ habe ich dann ein halbes Jahr gewartet. Nicht, dass nicht schon vorher hier in der Gegend gesucht wurde, aber ich bin beruflich viel unterwegs und daher nicht immer verfügbar. Mein für mich zweiter Einsatz war dann sogar ein ganzes Jahr später. Es ist mal so und mal so: In diesem Jahr war ich bereits sechs Mal im Einsatz, dies liegt aber auch daran, dass ich aufgrund der Pandemie im HomeOffice arbeite und daher besser zur Verfügung stehe. 

Also ja, ich komme mit den Situationen gut zurecht und bin nach wie vor mit Herz bei DeinSternenkind.org aktiv. Gemeinsam mit der Sternenkind-Eltern-Gruppe haben wir das Angebot in den Krankenhäusern vor Ort bekannt gemacht. Aufgrund der Pandemie sind wir damit aber noch nicht fertig. 

Was ist DeinSternenkind.org?

DeinSternkind.org (kurz: DSK) ist mittlerweile eine Stiftung und von dem Initiator Kai Gebel gegründet worden. DSK hat bundesweit mehr als 600 ehrenamtliche Fotografen. Ebenfalls ehrenamtliche Koordinatoren nehmen die Anfragen an und alarmieren in sogenannten Alarmkreisen die dort verfügbaren Fotografen per AlarmApp und E-Mail. In einem Forum sprechen sich dann die Fotografen ab, wer Ansprechpartner für die Eltern oder die Klinik ist, welcher Fotograf den Einsatz übernimmt oder aber wer welche Zeiten abdecken kann. All dies in einem internen geschütztem System auf eigenen Servern.

Das erste und das letzte Bild

Der Anspruch für die Sternenkind-Fotografen ist es, wertvolle Erinnerungen zu schaffen. Wir wollen eben nicht, dass es von dem Kind bestenfalls nur ein Handyfoto gibt. Es gibt nur diese eine Chance Fotos von dem Kind zu machen. Von den mittlerweile über 10.000 Anforderungen konnte nur in neun Fällen, das Kind nicht durch einen Sternenkind-Fotografen fotografiert werden. 

Zusätzlich werden die Bilder auf eigenen Servern gesichertund stehen damit auch bei Verlust immer noch zur Verfügung. Es ist auch schon vorgekommen, dass Eltern bei einem Brand die Fotos verloren haben und durch DSK diese erneut bekommen konnten. 

…in Zeiten von Corona:

In diesen Zeiten erhalten Fotografen nicht immer Zutritt zur Klinik. Deshalb besteht derzeit zusätzlich die Möglichkeit, dass die eigenen Handyfotos eingeschickt werden und von DSK bearbeitet werden, um auch aus diesen Bilder das Bestmögliche herauszuholen. Die überwiegende Erfahrung ist jedoch, dass die Kliniken den Fotografen den Zutritt ermöglichen. Ich persönlich nehme dafür auch gerne einen Schnelltest in Kauf und hinterlasse meine Kontaktdaten. 

Wie läuft ein solcher Einsatz ab?

Die Eltern und das Krankenhauspersonal können einen Fotografen bei DSK anfordern. Der Fotograf, der übernimmt, kontaktiert dann die Eltern oder das Personal und klärt alles weitere: Wann soll fotografiert werden, möchten die Eltern gemeinsame Bilder, ist Kleidung für das Sternenkind vorhanden? Die meisten Fragen haben die Koordinatoren bereits geklärt. Meine Kamera ist immer bereit, ich checke dann noch kurz, ob ich meinen DSK – Ausweis, einen Fotografenvertrag, Kugelschreiber, Taschentücher… dabei habe. Vor Ort stelle ich mich kurz vor und versuche mich dann in die Situation „reinzufühlen“. Ich möchte nicht stören, möchte aber den Eltern alle Möglichkeiten aufzeigen. Und der Fotografenvertrag muss auch ausgefüllt und unterschrieben werden. Dann mache ich die Fotos. Bei mir sind es im Schnitt ca. 50 Bilder je Sternchen, von denen ich nachher bis zu 10 für die Eltern auswähle und ggf. noch bearbeite. Nach dem Einsatz schaue ich mir die Fotos an, wähle aus, bearbeite und sichere die Bilder auf dem Server von DSK. Je nach Wunsch der Eltern lasse ich die Fotos dann drucken, sende Ihnen einen Link oder speichere die Fotos auf einem USB – Stick und bereite den Versand vor. 

Wie gehe ich mit diesen Situationen um? 

Ich glaube jeder Mensch hat so seine Art, wie er mit belastenden Situationen umgeht. Durch meinen Beruf als Notfallsanitäter habe ich zudem gelernt mit solchen Situationen umzugehen. Dennoch tut es gut mit meiner Familie über die Einsätze zu sprechen. Meine Frau kennt jedes „meiner Sternchen“. Es ist aber auch nicht jeder Einsatz für mich belastend. Wie auch in meinem Beruf überwiegt das Gefühl Menschen geholfen zu haben und Ihnen wertvolle Erinnerungen geschaffen zu haben. Das macht es aus. Wenn dann noch im Nachhinein ein dickes „Danke“ kommt, ist es umso schöner. Das erwarte ich aber nicht. Es ist nach wie vor ein sensibles Thema und wie ich seither gelernt habe, redet man nicht gerne darüber. Das kann ich selbst bestätigen, ich kannte den Begriff „Sternenkind“ ja auch nicht. Umso wichtiger ist es mir jetzt, darüber zu reden und aufzuklären. Wie soll man als Mutter und Vater dieses Angebot wahrnehmen können, wenn man das Angebot nicht kennt. Ich bin gerne Sternenkind-Fotograf und hoffe, dass durch solche Veröffentlichungen wie diese, auch andere Fotografen sich dieses Ehrenamt vorstellen können. Bei Fragen dazu sprecht mich und andere Sternenkind-Fotografen gerne an. 

Freigegebene Fotos von DeinSternenkind.org

Über den folgenden Link kannst Du eine Seite mit Fotos aufrufen, die von DeinSternenkind.org freigegeben wurden.

>> Fotos von Sternenkindern

Oliver Hölters @olsensblickwinkel


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